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externe News
Beitragsentwicklung - test allgemein
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Die Deutsche Schule und das Deutsche Dorf in Moskau

Ralf Heckel
International Space Education Institute
www.spaceeducation.de

Moskau, 11.1.2012

horse-hippodromDas Geräusch von galoppierenden Pferden weckt uns am Morgen auf. Die 3 Stunden Zeitverschiebung sind doch zu spüren. Vor dem Fenster breitet sich in winterlich weißer Pracht ein Hippodrom aus (Pferderennbahn). Dieses Gelände existiert hier schon seit einer Zeit in der es noch keine Autos gab. Es ist weitläufig und pompös mit riesigen barocken Gebäudekomplexen. Vereinzelt galopieren Pferde mit leichten Wagen oder Schlitten auf dem Rund der Rennbahn.

Im Hotel „Bega“ (Pferderennen) schlief es sich gut. Ohne Zeit zu verlieren machen wir uns auf. Jewgeni zeigt mir den kürzesten Weg zur Metro. Dennoch werden die Leipziger Füße müde, es werden 3-4 km – für Moskau ein Bruchteil der Länge einer Haltestelle. Dann verschlingt uns das ratterne Getriebe der U-Bahn-Tunnel. Unser erstes Ziel ist die Deutsche Schule Moskau, ein Gymnasium für Kinder von Regierungs-, Botschafts- und deutschen Firmenangestellten.

Auf der Anhöhe hinter den Spatzenbergen taucht die vertraute Kulisse auf, welche für Hunderte deutscher Kinder eine Heimat ist. Zwischen hochragenden Häusern fügt sich das deutsche Dorf ein. Ein Drehkreuz mit Codeschloss lässt jeden draußen, der nicht hineingehört. Dieses Gebiet gehörte einmal zur DDR und nun wohnen, arbeiten und leben die Vertreter der Bundesrepublik hier. Alles ist neu und gepflegt. Man sagt im Volksmund dazu „Nemetzki Derewnja“ (deutsches Dorf)

deutsche-schule-moskaudeutsche-schule-moskau-ansichtDie Schule befindet sich auf diesem Gelände und erstrahlt im frisch renoviertem Rot. Moderne Busse mit russischen Kennzeichen schaufeln die Schüler welche nicht hier wohnen in ihre Heimatregionen. Es ist bereits Schulschluss. Wir suchen den stellvertretenden Direktor auf und besprechen weitere Austauschprogramme. Vor 5 Jahren hatten die Mission 3 und das erste Moonbuggy Team hier mit diesem Programm angefangen und auch Vorträge gehalten. Wir wollen das nun verdichten und bekommen konkrete Hinweise.

Nur einen Katzensprung weiter, vorbei an spielenden Kindern im Schnee, befindet sich das Verwaltungsgebäude der Firma Baugrund GmbH. Die Direktorin dort ist ehemalige Leipzigerin und verwaltet fast alles was mit Häusern und Grundstücken für deutsche Regierungsprojekte zu tun hat. Sie hat 400 Wohnungen im deutschen Dorf unter sich, Liegenschaften in Moskau, Sanierungsobjekte für deutsche Firmen und auch Grundstücke in der jungen deutsch-russischen Autobauer-Region Kaluga.

deutsches-dorf-moskauEs brauchte einige Zeit die Barrikaden der Vorzimmerdamen zu überwinden, da wir unangemeldet kamen. Doch dann freute sich Frau Linke und lud uns zum Gespräch ein. Wir hatten uns auch schon eine Weile nicht mehr gesehen. Neuigkeiten von beiden Seiten sprachen sich rum. So erfuhren wir von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, welcher wir unsere Programme unbedingt vorstellen sollen und wir konnten überraschen mit unserer Sternwarte in Kletzen. Wenige Kilometer weiter ist die alte Heimat der heutigen energiereichen Generaldirektorin. Wir luden uns für einen späteren Zeitpunkt ein und verabschiedeten uns herzlich.

Der Tag hatte einen erfrischenden Start und war ein Beweis dafür, dass aktiven Menschen kein Stein im Weg liegt und keine Überraschung ungelegen kommt. Wir fahren ohne Mittagessen weiter zu Roman in die Elektroauto-Prototypenproduktion.

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Beitragsentwicklung - test allgemein
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Moskau 2012

von Ralf Heckel
International Space Education Institute
www.spaceeducation.de

Aeroflot SU 114 nach Moskau, 10.1.2012

Das neue Jahr 2012 ist angebrochen. Es ist der 10. Januar. Das ist der letzte Feiertag in Moskau, wo das Weihnachtsfest erst 3 Tage her ist. Wie nun schon seit 5 Jahren sitze ich in dieser Zeit im Flieger gen Osten. Der Tag ist sonnig und die Aeroflot-Maschine liegt ruhig in der Luft. Das Ziel ist die Millionenmetropole und der 105. Geburtstag des Sputnik-Konsrukteurs Koroljow. Es ist fast zur Routine geworden – eine kleine Tradition herausgebildet.

mgtu-outsideAls ich zum ersten Mal in einem Januar Richtung Moskau flog, war es eisig kalt. Das Ziel war der 100. Geburtstag des Übervaters der russischen Raumfahrt. Enttäuscht wurde ich keinesfalls. Im Winter ist es wie im russischen Märchen. Die Festveranstaltung war pompös und ich hielt auch eine Vorlesung zu unserer Idee der Spaceeducation. Damals war ich allein und hatte neben vielen Ideen nur wenig Reputation im Gepäck. Es waren viele ungläubige Fragen zu beantworten. Das ist auch nicht verwunderlich – ich befand mich in der Baumann-Universität, eines der mächtigsten und bekanntesten Häuser für erfolgreiches Raumfahrtingenieurwesen. Ich musste mir mühsam bei deutschen Bekannten einen Unterschlupf suchen und versuchte Freunde unter den Studenten und Professoren für unsere eigenen Programme zu gewinnen.

mgtu-autitoriumIch glaube ich hätte schnell von solchen Besuchen abgelassen, wäre da nicht eine zunächst ganz beiläufige Begegnung gewesen. Wie Fremdkörper tasteten sich Herr Professor von Puttkamer und ich durch die Straßen der Stadt und die Gänge der Universität. Zwischen vielen älteren Herren in Hornbrille und Fellmütze mit Orden und Erlebnissen fühlte ich mich wie ein Anfänger. Weil ich nicht wusste, wie ich Gespräche in solch hochtragendem Publikum anfangen sollte, deckte ich mich mit ein paar großformatigen Fotos von unseren 2 Schülermissionen ein. Da konnte ich wenigstens was zeigen und dazu erzählen. Dann füllte sich der Saal bis zur Oberkante.

koroleva-in-mgtuVon allen Referenten an diesem Tag sind mir bis heute zwei in lebendiger Erinnerung geblieben. Das waren der unaufhörlich erzählende weit über 90 Jahre alte Raketenpionier Boris Tschertok als Leiter der Veranstaltung und die etwa 70 jährige ausstrahlungskräftige  Tochter des Sputnik-Konstrukteurs Koroljow. Gebannt hörte ich zu und rutschte von einem Sitzplatz zum Nächsten, um ein paar bekannte Kosmonauten leise zu begrüßen. Eine Weiche die alles danach verändern sollte stellte sich in einem Moment, als mich ein etwa gleichaltriger Mann antippte und auf meine Fotos zeigte: „Was hast Du da“. Ich bemerkte zuerst gar nicht, dass dies ein sauberes Deutsch war und erklärte kurz und leise in englischer Sprache von unseren Schülerexpeditionen und dass wir dies auch im Sinne des Sputnik-Konstrukteurs Koroljow machen. Der Mann wollte eins haben und ich gab ihm ein Foto. Danach steckte ich seine Visitenkarte ein und verschwand in den hinteren Reihen.

andrey-korolev„Mist“ dachte ich, das war mein letztes Exemplar und ich wollte es für den Chef der Firma Energia aufheben. Er ließ unsere Mission 1 vor 2 Jahren bis zum Misson Control Zentrum der ISS mit live-Übertragung vor. Jetzt war es weg. Nachdenkend über eine Ersatzgeste fummelte ich die Visitenkarte des Mannes heraus und las: „Prof. Andrej Korljow“. Mich traf der Schlag. Ein Koroljow? Aber welcher? Bestimmt gibt es diesen Namen so oft wie in Deutschland Gerlach? Ich beugte mich zu einer Fotoredakteurin neben mir und fragte, ob Sie diesen Mann kenne. „Natürlich“ sagt sie, „Jeder kennt die Enkel des Chefkonstrukteurs Koroljow. Das sind sehr patente Menschen.“ Nun war ich sprachlos.

Diese eine Geste löste eine Kettenreaktion aus, die ich mir damals noch nicht hätte vorstellen können. Und doch ist es nur 5 Jahre her. Mir kommt es heute bereits wie ein halbes Leben vor. Zur Familie Koroljow baute sich eine feste Freundschaft auf, welche fast wie eine Verwandtschaft ist. Unzählige gegenseitige Treffen gab es bis heute. Wir organisierten Exkursionen für die Familie Koroljow zu besonderen Raumfahrtanlässen durch die Welt, sitzen gemeinsam in der Datscha, die Kinder spielen zusammen und es gibt auch schon ein ersts gemeinsames Buch.

Koroleva-Museum-of-artHeute, 5 Jahre danach ist vieles anders. Yvonne und ich gehören zu einer dünnen Ebene von internationalen Raumfahrtwissenschaftlern mit hoher Anerkennung, ohne wirklich Wissenschaftler auf dem Papier zu sein. Wir reden uns per „DU“ an und schließen per Handschlag Projekte für Nachwuchsingenieure ab. Ich denke wohl es ist unsere regelmäßige Präsenz auf allen Raumfahrtkontinenten mit patenten jungen Leuten im Schlepptau, welche uns in diese Familie aufnehmen ließ.

Dennoch fliegt heute ein wenig Trauer mit. Der agile Raketenpionier Boris Tschertok ist vor fast einem Monat verstorben. Er wurde 99 Jahre alt. Mit ihm starb der Letzte der Ersten. Er war einer der Chefkonstrukteure unserer heutigen Raumfahrt, die noch im Schuppen hinter dem Haus mit verbogenen Fahrradrahmen erste Flüssigkeitsraketen bauten. Ihm zu Ehren ist heute auch ein Grund, warum ich im Flugzeug sitze. Da schlummert noch eine wohlbehütete Überraschung in meinem Koffer…

 
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Max Frank
Moonbuggyteam ab 2010 HS
www.spaceeducation.de 

Max FrankIch heiße Max Frank und bin 1992 in Leipzig geboren. Seit dem 16ten Lebensjahr bin ich ein Mitglied des International Space Education Institutes (ISEI) in Leipzig.

Mit 17 habe ich eine Lehre in Bakum (Niedersachen) begonnen. Hier lerne ich bei der Firma Südbeck den Beruf: KFZ-Mechatroniker-Kommunikationstechnik. Solch eine Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Neben Schule, Beruf und Haushalt investiere ich meine Zeit in das Moonbuggy Projekt. Dazu gehe ich Laufen oder Radfahren, skizziere neue Teile, kümmere mich um neue Sponsoren, schreibe Trainingspläne und suche neue Team Mitglieder.

Wie ich durch den Radsport zum Moonbuggy Projekt, vom ISEI gefunden habe.

Unser Sporttrainer sprach uns einmal an, ob wir denn nicht auf dem Gelände vom Sportgymnasium ein Moonbuggy ausprobieren könnten. Doch da hatte ich noch keine richtige Ahnung, was das überhaupt sein sollte. Ein Liegefahrrad für zwei Personen und fährt auf vier Rädern. Damit wollten wir doch mal als Trainingstruppe fahren und willigten ein.

Max Frank

Herr Gerber, ein Lehrer für Astronomie am Sportgymnasium, fädelte den Termin ein. Nun war es so weit. Am 24.03.09 rollte das Buggy auf den Hof vom Sportgymnasium. Hier stellte man uns Herr Heckel vor. Er ist der Teamleiter vom Moonbuggyverein. Nach langem erklären über den Aufbau des Moondfahrzeugs und der Funktionsweiße von der Telemetrie, durften wir selbst mal fahren. Die ersten Meter waren gar nicht so leicht das Moonbuggy zu steuern. Es ist eine gewöhnungsbedürftige Lenkung, doch machte es einen riesen Spaß. So heizten wir über den Sportplatz und  zogen skeptische Blicke auf uns. Ohne ein weiteres Treffen in Aussicht, hatten wir uns von Ralf Heckel verabschiedet.

 

Elektronik Grundkurs

Ein Jahr später wechselte ich dann auf das Sportgymnasium wo Herr Gerber mir eine Adresse von Herr Heckel gab. So kam es zu einem ersten Treffen meines Trainingskollegen Daniel Harnisch und mir beim SEI. Ralf Heckel führte uns erst einmal herum. Anschließend stellte er uns einige Teammitglieder vor, welche da waren. Mit ihnen bauten wir bei Herr Scheuermann ein Elektronik Roulette mit LED's. Nachdem unsere LED's am leuchten waren, durfte mein Trainingskollege und ich noch auf der Teststrecke ein paar Runden fahren. Dadurch das mir dieser Tag viel Spaß gemacht hatte, kam es zu einem neuen Treffen. Der nächste Ausflug war dann in das Rohloff Werk im Fuldatal. Rohloff gehört mit zu unseren Sponsoren die uns für jedes Moonbuggy zwei Rohloff Naben zur Verfügung stellten. Das sind die besten Nabenschaltungen der Welt. Somit lernte ich mit der Zeit das Moonbuggy zu verstehen und zu schätzen, was für mich als Moonbuggy  Pilot sehr wichtig ist.

Mit der Vorbereitung auf das Moonbuggy Race 2010, machte ich die Fahrer für das Rennen fit. Ich war der Trainer und Mechaniker in dem Team. Gemeinsam schafften wir es, das Moonbuggy Race zu gewinnen. Das war ein riesen Erlebnis auf der ein wöchigen USA Reise. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Moonbuggy Sieger 2010Das darauf folgende Jahr 2011, durfte ich dann selber als Pilot das Moonbuggy fahren und machte den 4ten Platz. Mit dem man unzufrieden sein könnte, war ich aber nicht. Das gibt mir nur noch mehr Motivation und Ansporn im nächsten Jahr  besser zu sein, als ich vorher war. 

Was mich so weit gebracht hat, ist der große Einsatz, die Motivation, der Ehrgeiz und eine Priese inneren Antrieb. Man lernt nicht nur sich selber kennen sondern kann auch viel gute neu Eigenschaften erlernen, wenn man nur will.

Ich finde, dass sind Sachen die man nirgenswo anders sammeln kann und später für das Berufsleben sehr nützlich sind.

Kontakt

 

 

 
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Moonbuggy-Pilotin Nadin Rößler wird heute 18
von Ralf Heckel, Vorsitzender, International Space Education Institute Leipzig 

Nadin R. freistehendSie ist eine Wissenschaftlerin durch und durch. Nadin stammt aus Chemnitz (Sachsen) und besucht in ihrer Heimatstadt das Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium. Die Wissenschaft hat es der agilen Schülerin schon lange angetan. So besucht sie den Astronomiekurs in der Schule, arbeitet in freien Nächten in Sternwarten von Bekannten und kämpft sich beim NASA-Moonbuggy-Race als Pilotin an der Seite eines Profisportlers hoch.

Nadin will Physik/Mathematik-Lehrerin werden. Man könnte meinen, dass dies unerfüllte Träume sind. Wer aber genauer hinschaut, der spürt, dass die zierliche Nadin es faustdick hinter den Ohren hat. Sie lässt sich kein Ziel ausreden, arbeitet beharrlich daran und ist konsequent in ihrer Organisation. Als besondere Prüfungsaufgabe für das Abitur (BeLl, Propädeutikum) sucht sie sich schwere Themen heraus, vor welchen selbst manche gestandene Wissenschaftler respektvollen Abstand halten: "Nachweis von Exoplaneten". Nadin gelang im Sommer 2011 tatsächlich der Nachweis eines Planeten außerhalb des Sonnensystemes und erstaunte damit nicht nur die Astronomen der Region. Die Abiturprüfungskommission hat Nadin noch vor sich und diese darf sich dazu warm anziehen.

Beim NASA-Moonbuggy Race 2011 trat Nadin ordentlich in die Pedale und erreichte zusammen mit ihrem Fahrer Max Frank einen 5. Platz unter 80 Teams. Wohl war es weniger das Training, welches Nadin erst wenige Wochen vor dem Abflug begann, als vielmehr ihre Art sich und ein Hochleistungs-Team zu motivieren, auf ein Projektziel unter Berücksichtigung aller zwischenmenschlichen Feinheiten abzustimmen und für den Erfolg einzuschießen. Herzhaftes Lachen und durchdachte Schlagfertigkeit sind vor allem Nadins Stärken. Privat kümmert sich die Gymnasiastin liebe- und aufopferungsvoll um Familie, Freunde in Not und vor allem ihre kleine Schwester Susi.

Wir wünschen Nadin Alles Gute und weiter solch einen Blick in die Zukunft  im  weiteren Leben wie Schule, Beruf und natürlich auch der Liebe. "Erwachsen warst Du für die Mitglieder und Berater des International Space Education Institutes bereits schon vor diesem Geburtstag. Denn man kann Dir alles anvertrauen."

Nadins spektakulärstes Moonbuggyvideo
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Raketenpionier Boris Tschertok gestorben
Autor: Ralf Heckel, International Space Education Institute


Boris Tschertok PortraitNachruf: Am 14. Dezember 2011 starb in Moskau der 99-jährige Raketenpionier Boris Tschertok an einer Lungenentzündung. Tschertok begleitete die russische Raumfahrt viele Jahre als Abteilungsleiter für Steuerung und Lenkung von Raketen. In seinem Wirkungsbereich arbeiteten bis zu 3000 Ingenieure und Wissenschaftler. Als Schuljunge sah Tschertok noch Lenin. Als Student erlebte er den Aufbau der Sowjetunion und baute selbst Segelflugzeuge die er mit Freunden in Koktebel an der Krim ausprobierte.

Als junger Ingenieur verteidigte er als Entwickler in den ehemaligen Junkers-Flugzeugwerken Moskau sein Land. Nur wenige Kilometer trennten ihn von der Division der deutschen Armee vor Moskau, in welcher zuvor noch der spätere Apollo-Raketeningenieur Konrad Dannenberg (geb. in Weißenfels b. Leipzig) kämpfte. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Tschertok an Raketenflugzeugen zur Luftabwehr der Hauptstadt. Mit dem Vormarsch der Roten Armee nach Deutschland gehörte Tschertok zu jenen Ingenieuren, welche die ersten Überreste einer V2-Rakete im Versuchsgelände Heidelager und später Peenemünde zu verstehen versuchten. In Alter von 33. Jahren bezog er im Juni 1945 in Bleicherode im Harz die Villa Franke und gründete dort das Institut Raketenbau und -Entwicklung (RabE). Dort lernte er auch den späteren Sputnik-Chefkonstrukteur Sergej Koroljow und alle späteren Mitglieder des OKB-1 kennen. Darunter befanden sich der Sputnik-Sender-Entwickler Michail Ryazanski und der Raketentriebwerks-Entwickler Valentin Gluschko.

Chertok an Korolevs home, 2010In den Folgejahren war Tschertok direkt an allen Pionierleistungen der russischen Raumfahrt beteiligt und lötete nicht selten selbst an den Raumfahrzeugen bis zur Startfreigabe. Die bekanntesten Leistungen sind: erster Satellit im All, erstes Foto von der Mondrückseite, erste Landung auf dem Mond, erste Rückkehr vom Mond, erster Mensch im All, erster Weltraumspaziergang. Aber auch viele Fernexpeditionen mit der Realisierung von Funkübertragungen über bis dahin unvorstellbare Entfernungen gehören seinen Verdiensten an.

Chertok and von PuttkamerTschertok 2007 im Gespräch mit Prof. von Puttkamer (NASA); Tschertok am 12.1.2011 zu Hause bei den Korolevs

Bis zum Tage seines Todes war Tschertok im aktiven Dienst als Ingenieur und Berater bei der Firma RKK Energia angestellt. Er war Vorsitzender der Koroljow-Lesungen, welche jedes Jahr an der Moskauer Baumann-Uni mit hochdotiertem Publikum durchgeführt werden (Foto: Tschertok im Gespräch mit NASA-Amtskollegen Prof. Jesco von Puttkamer, Jan. 2007). Noch im Januar 2011 konnten die Schüler des SEI aus Leipzig (Tobias Meier und Christoph Eibeck) ihn während einer Moskau-Expedition zur Feier des Geburtstages von Koroljow erleben. Bis zuletzt verlor Tschertok nie seine grundoptimistische Zuversicht als Entdecker neuer Welten.

Das International Space Education Institute strengte in den letzten Wochen die Honorierung Tschertoks am Kennedy Space Center (Cape Canaveral) an. Dort ist sein Name seit dem 12.12.2011 neben dem seines langjährigen Freundes und Kollegen Koroljow in Stein gefräst. Diese Urkunde mit Foto wird am 12.1.2012 der Firma Energia in Moskau von der Leipziger Botschafterin für Raumfahrtausbildung, Yvonne Heckel, übergeben. Am 1. März 2012 wäre sein 100. Geburtstag gewesen. Tschertok schrieb 5 Bücher welche tiefe Einblicke in die russische Raumfahrt der Zeit des Kalten Krieges geben. Sie wurden vom Elbe Dnjepr-Verlag übersetzt und sind auch in der USA in englischer Sprache eine heiß begehrte Ware.
 
Weitere Infos

Spacewalk of honorCertifikate BVoris Chertok, Kennedy Space CenterBoris Tschertok auf dem Spacewalk of Honor zusammen mit S.P. Korolev, seit 12.12.2011, Kennedy Center Visitor Complex

Fotos, Videos, Text: Ralf Heckel,
 

 
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